Großfürst von Kiew
* um 956 in Kiew in der Ukraine
† 15. Juli 1015 in Berestov bei Kiew in der Ukraine
Wladimir, ein Enkel von Olga, wurde 969 Fürst von Nowgorod. 978/80 erkämpfte er die Herrschaft über Gesamtrussland gegen seinen Bruder; sein Sieg und sein Regierungsantritt als Großfürst von Kiew bedeuteten gleichzeitig einen Sieg des Heidentums gegenüber dem neu eingesickerten christlichen Glauben. Abgesandte der katholischen Kirche aus Rom und der orthodoxen Kirche aus Konstantinopel sowie des Judentums und des Islams versuchten, den russischen Heiden für ihren Glauben zu gewinnen, wobei der Jude und der Moslem wegen der Erwähnung von Beschneidung, Schweinefleisch- und Alkoholverbot des Landes verwiesen wurden; nicht anders erging es dem Vertreter aus Rom nach seinem Hinweis, dass den Gläubigen Fastenzeiten auferlegt würden.
Wladimirs Hauptinteresse galt zunächst der Konsolidierung seiner Gebiete, die er zu einem einzigen Land verband. Dem byzantinischen Kaiser Basilius II. half er, einen Aufstand der Bulgaren niederzuschlagen. Zum Dank erhielt Wladimir die Schwester des Herrschers, die "pupurgeborene" byzantinischen Prinzessin Anna, zu seiner dritten Frau, musste sich jedoch zuvor zum christlichen Glauben bekehren. Mit seiner Taufe - er erhielt den Taufnamen Basil - wurde das christlich-orthodoxe Bekenntnis zur 988 russischen Staatsreligion gemacht. Seine erste Frau, Rogned von Polock, wurde 989 Nonne.
Eine Chronik berichtet über die Taufe: "Am Morgen kam Wladimir mit Popen der Zarin und denen von Korsun zum Dnepr, und dort versammelte sich eine Unmenge Menschen. Sie gingen ins Wasser und standen dort, die einen bis zum Hals, die anderen bis zur Brust im Wasser, junges Volk in der Nähe des Ufers; einige hielten Säuglinge auf den Armen, die Erwachsenen schlenderten im Wasser umher, die Popen standen aber da und verrichteten Gebete. Und im Himmel und auf der Erde herrschte Freude über die vielen geretteten Seelen, der Teufel sagte aber: Weh mir! Mich vertreibt man von hier! ... Und ich werde hier nicht mehr herrschen." Die Geschichte bewahrte auch das Gebet, das Wladimir nach der Beendigung des Rituals sprach: "Der Schöpfer der Erde und des Himmels! Segne diese neuen Kinder von dir: geb' es ihnen, Dich, den wahren Gott, zu erkennen; bestärke sie im rechten Glauben. Hilf mir, den Versuchungen zu widerstehen, in die mich das Böse bringt, damit ich Deinen heiligen Namen nach Gebühr lobpreise!"
Wladimir führte nun die byzantinische Kultur in Russland ein: er ließ Kirchen bauen, verbot das Heidentum und nahm eine Reihe sozialer Reformen in Angriff. Gleichwohl zeigte er sich nach wie vor offen für westliche Einflüsse, u.a. in seiner Gesetzgebung. Mit Hilfe des christlichen Glaubens konnte er sein Reich immer mehr festigen. Man kann Wladimir deshalb den "Konstantin des Ostens" nennen. Die Orthodoxie verbreitete sich in den folgenden Jahrhunderten im Land, neben den Russen bekennen sich auch viele andere Völker, unter ihnen Karelen, Komi, Udmurten, Mari, Mordwinen, Tschuwaschen, Osseten, Chakassen, daneben viele Burjaten, Kalmyken, Tataren und Kabardinern zur Orthodoxie.
Wladimir starb auf einer Reise nach Nischnij Nowgorod. Seine Heiligkeit ist weniger in seinen Taten als in seiner kirchenpolitischen Bedeutung begründet.
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